Stellungnahme

Stellungnahme der BI – Meppen zum Flugblatt der betroffenen Landwirte

Stellungnahme der betroffenen Landwirte zur Postwurfsendung vom 14.01.2013

Wir, die Landwirte Heinz Schütte, Backemude, Meppen, Bernd Bölle, Strietfeld, Meppen, und Fritz Kirschner, Kollhofe, Meppen, bewirtschaften heute die seit vielen Generationen im Familienbesitz befindlichen landwirtschaftlichen Betriebe, gelegen südöstlich der Stadt Meppen.
Auch haben wir den Interessen der Stadt zur Entwicklung neuer Baugebiete immer wieder nachgegeben und davon zweifelsohne auch profitiert.
Bei all unseren Überlegungen und Gesprächen war allerdings die Sicherung der Existenz und Entwicklung unserer Familienbetriebe der wesentliche Gesichtspunkt.

Stellungnahme der BI Meppen 

Sicherung bäuerlicher Existenzen?

Die Sicherung der wirtschaftlichen Existenzgrundlage für bäuerliche Betriebe ist sicherlich ein legitimes Anliegen eines jeden Landwirts. Nachvollziehbar ist es fraglos auch, wenn der Bauer, der ja letztlich nichts anderes als ein selbstständiger Unternehmer ist, Sorge dafür tragen möchte, dass sein Unternehmen auch durch seine Nachkommen fortgeführt werden und ihnen einen angemessenen Lebensstandard sichern kann. Anders als die von der Meppener Tagespost sog. Feldkamp-Bauern glauben machen wollen, geht es hierum bei den von ihnen geplanten Stallbauvorhaben allerdings nicht.

Intensivtierhaltungsanlagen als Steuersparmodell

Denn tatsächlich handelt es sich insbesondere bei dem von dem Bauern Schütte geplanten Investment um ein reines Steuersparmodell, das mit der Sicherung einer bäuerlichen Existenz im herkömmlichen Sinne nun gar nichts mehr gemein hat. Die Familien Bölle und  Schütte haben durch die Veräußerung einer Vielzahl von Grundstücken zuletzt im sog. Baugebiet Feldkamp II Gewinne im siebenstelligen Bereich erwirtschaftet, die nunmehr zeitnah in der Weise reinvestiert werden sollen, dass möglichst wenig Steuern an den Fiskus abgeführt werden müssen. Insofern entpuppt sich die Ausweisung des Baugebietes Feldkamp II bei näherem Hinsehen als reine Gelddruckmaschine für einzelne Bauern, die unter Mithilfe der Stadt Meppen in die Lage versetzt werden, sich auf Kosten der Anwohner immer wieder zu bereichern:

Zunächst verkauft man ihnen mit dem Versprechen, naturnah und in landschaftlich reizvoller Umgebung ein Eigenheim erreichten zu können, zahlreiche Grundstücke und erzielt dadurch für emsländische Verhältnisse geradezu stolze Preise. Sodann investiert man eben dieses Geld zumindest teilweise in neue Großstallanlagen in unmittelbarer Nähe der Bevölkerung und erspart sich dadurch die Entrichtung der eigentlich fälligen Steuern.

Insofern zu formulieren, man habe von der Entwicklung neuer Baugebiete „fraglos profitiert“ ist angesichts dessen zwar sicherlich zutreffend, allerdings äußerst zurückhaltend formuliert.

Hinzu kommt: Bei dieser Form agrarindustrieller Betriebe geht es nicht mehr um einen klassischen bäuerlichen Betrieb, wie er ursprünglich seit Generationen betrieben worden sein mag, sondern es handelt sich tatsächlich um eine gewerbliche Nutzung, vergleichbar jedem anderen kleineren Industriebetrieb.

Wohlstandsmehrung zulasten anderer?

Im Übrigen stellt sich die moralische Frage, ob eine angebliche Existenzsicherung auf Kosten der wirtschaftlichen Existenz und der Gesundheit aller Anwohner gleichwohl noch ein legitimes Anliegen darstellt. Der frühere Landrat Hermann Bröring beklagte schon vor einigen Jahren, dass die emsländischen Bauern die rechtlichen Möglichkeiten für die Durchsetzung ihrer Intensivtierhaltungsbetriebe bis zum Äußersten auspressen. Nichts anderes tun die Bauern um Herrn Schütte im Meppener Osten: Anstatt sich mit den immensen Erträgen aus ihren Grundstücksgeschäften zufrieden zu geben, fällt ihnen nichts anderes ein, als die im Verhältnis zu ihnen in äußerst beengten finanziellen Verhältnissen lebenden Anwohner mit Massentierhaltungsställen zu belasten, um den größtmöglichen weiteren Ertrag aus ihren Gewinnen herauszupressen.

Hätten die Anwohner mit Massentierhaltungsanlagen rechnen müssen?

Soweit die Bauern um Herrn Schütte ein Investment in Massentierhaltung vorziehen, hätte es ihnen frei gestanden, sich den „Interessen der Stadt zur Entwicklung neuer Baugebiete“ zu widersetzen und die künstliche Herbeiführung einer sog. Gemengelage aus Intensivtierhaltung einerseits und Wohnbevölkerung andererseits zu vermeiden. Indem die Bauern aber im Zusammenwirken mit der Stadt Meppen und großen Teilen der Kommunalpolitik die Wohnbebauung bis in die unmittelbare Nähe ihrer Hofstellen herangeführt haben, können sie sich nunmehr nicht länger ernsthaft auf den Standpunkt stellen, es gehe allein um die Sicherung ihrer eigenen Existenz bzw. diejenige ihrer eigenen Familien.

Fast alle Bewohner der Gebiete Feldkamp, Helter Damm und Schleusengruppe haben Kinder und Enkelkinder, für deren gesundheitliches aber auch wirtschaftliches Wohlergehen sie Sorge tragen. Die Bauern können nicht für sich das Exklusivrecht auf Zukunftssicherung in Anspruch nehmen und sich letztlich zur Begründung darauf berufen, dass sie es waren, die zuerst im Meppener Osten gelebt und gearbeitet haben. Unsere Rechtsordnung kennt insofern keine älteren Rechte auf freie wirtschaftliche Entfaltung, die von vornherein Vorrang vor den Rechten anderer später Hinzugekommener genießen. Die „Feldkamp-Bauern“ waren nicht gezwungen, ihre Ländereien an Bauwillige zu veräußern; sie hätten die Wohnbevölkerung mit den ihr eigenen Rechten und Interessen von ihren Höfen fern halten können. Da sie dies jedoch nicht getan, sondern sich vielmehr dazu entschlossen haben, mit diesen Menschen lukrative Geschäfte abzuschließen, müssen sie akzeptieren, dass „die Sicherung der Existenz und Entwicklung“ ihrer Familien ein zumindest gleichrangiges Anliegen auch der Wohnbevölkerung darstellt.

Massentierhaltung in unmittelbarer Nähe eines Siedlungsschwerpunktes?

Im Übrigen sei auf Folgendes hingewiesen: Die Stadt Meppen hat mit Wissen, wahrscheinlich auch mit Billigung, der Bauern den Meppener Osten als einen ihrer neuen Siedlungsschwerpunkte ausgewiesen. Auch angesichts dessen musste allen Beteiligten von vornherein klar sein, dass die Zeiten vorbei sind, während derer die Bauern mit ihren Höfen allein so verfahren konnten, wie es in ihrem Belieben steht.


Während der vergangenen Jahre und auch heute noch gilt für das Bauen im Außenbereich § 35 BauGB. Danach sind landwirtschaftlicher Vorhaben im Rahmen der Gesetze grundsätzlich privilegiert. Nach diesen Vorgaben genießen Wohngebiete einen hohen Schutzanspruch und setzen Entwicklung Grenzen. Es darf in den angrenzenden Wohngebieten nach auf Grundlage anerkannter Regeln der Technik erstellten Gutachten von vereidigten Gutachtern der Geruch unserer Stallanlagen nur an 10 % der Jahresstunden wahrnehmbar sein. Werden die Werte im Betrieb nicht eingehalten, führt das zu Beschränkungen.

Wir könnten mit dieser gesetzlichen Regelung, die wir ohne den in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan zu akzeptieren hätten, gut leben.

 

Stellungnahme der BI Meppen

 Die Diskussion um die Privilegierungswirkung des § 35 Baugesetzbuch (BauGB)

Dass für das „Bauen im Außenbereich“ prinzipiell die Regelung des § 35 BauGB gilt und landwirtschaftliche Vorhaben „privilegiert“ sind, trifft im Ausgangspunkt sicher zu.

Allerdings blenden die „Feldkamp-Bauern“ die rechtspolitische Diskussion, die seit Jahren um § 35 BauGB geführt wird, von vornherein aus. Es ist nämlich in weiten Teilen der rechtswissenschaftlichen Literatur und nicht zuletzt in den meisten Kommunalverwaltungen vollkommen unbestritten, dass der hier in Rede stehende § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB dringend reformbedürftig ist. Der Gesetzgeber hatte bei Schaffung dieser Bestimmung den klassischen bäuerlichen Betrieb herkömmlicher Prägung im Auge, der dem einzelnen Bauern und dessen Familie als Erwerbsgrundlage dient. Seit Jahren wird dadurch die Fehlentwicklung hin zu immer größeren agrarindustriellen Betrieben begünstigt, mithilfe derer Investoren ihr Gewinnstreben auf Kosten der Wohnbevölkerung rigoros durchsetzen. Das hat mit dem ursprünglichen Sinn und Zweck der Bestimmung nichts mehr gemein.

Notwendigkeit einer Gesetzesänderung

So setzte sich etwa der Landkreis Emsland seit einigen Jahren erfolglos für eine Änderung dieses Privilegierungstatbestandes ein, weil die Verantwortlichen in der Kreisverwaltung wie auch in zahlreichen emsländischen Gemeinden erkannt haben, dass die Bestimmung zu tief greifenden Fehlentwicklungen in den Dörfern und Gemeinden führt. Die von den Intensivtierhaltungsanlagen ausgehenden Gesundheitsgefahren und Geruchsbelästigungen sorgen dafür, dass ganze Landstriche nur noch eingeschränkt bewohnbar sind. Der wirtschaftliche Nutzen einiger Weniger geht zulasten der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung.

Es ist also schon nicht richtig, wenn die Bauern glauben machen wollen, insofern auf einer völlig unumstrittenen Rechtsgrundlage zu agieren. Der frühere Landrat Bröring hat die Gemeinden des Emslandes schon vor einigen Jahren aufgefordert, den durch § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB begünstigten Fehlentwicklungen der Agrarindustrie durch eine angemessene Bauleitplanung entgegenzuwirken.

Siedlungsränder als Außenbereich?

Im Übrigen versuchen die „Feldkamp-Bauern“ den Eindruck zu erwecken, die Errichtung ihrer Anlagen im Außenbereich stelle schon prinzipiell kein Problem für die Wohnbevölkerung dar. Der Begriff des Außenbereichs im Sinne des Baugesetzbuches ist aber denkbar weit gefasst und umfasst letztlich all diejenigen Gebiete für die kein Bebauungsplan besteht und die nicht im Zusammenhang bebaut sind. Das können Gebiete fern ab jeder größeren Ansiedlung genauso sein wie die Siedlungsränder. Insofern ist es natürlich ein Unterschied, ob eine gesundheitsgefährdende und stark emittierende Tierhaltungsanlage ins „Niemandsland“ platziert werden soll oder eben in einen Bereich, der unmittelbar an eine geschlossene Wohnsiedlung angrenzt.

Insofern überrascht ohnedies, dass angesichts des Umstandes, dass die Bauern im Einvernehmen mit der Stadt Meppen die Wohnbevölkerung unmittelbar an ihre Höfe herangeführt haben, noch niemand die Frage aufgeworfen hat, ob nicht zumindest die unmittelbar an die Wohngebiete Feldkamp I und II angrenzende Hofstelle Schütte letztlich nicht gemeinsam mit den dortigen Wohnhäusern einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil darstellt, auf den § 34 BauGB und nicht § 35 BauGB anzuwenden wäre.

Scheinsicherheit und Scheinobjektivität der Geruchsschwellenwerte

Reine Augenwischerei ist schließlich die These, eine Überschreitung der Geruchsschwelle von 10 % der Jahresstunden führe quasi automatisch zu Beschränkungen im Betrieb der Anlage. Denn bereits die Quantifizierung der Geruchsbelastung an sich ist mehr als fragwürdig. Geht man nämlich einmal der Frage nach, wie die Belastung überhaupt ermittelt wird, so erfährt man, dass es die Bauern selbst sind, die im Rahmen ihrer Genehmigungsanträge Geruchsgutachten immer derselben Ingenieurbüros vorlegen, die sich ihrerseits auf die Unterstützung derartigen Vorhaben spezialisiert haben und die – natürlich – von den Bauern auch gut bezahlt werden. Die Genehmigungsbehörde führt insofern kaum Nachprüfungen durch und legt in aller Regel die von den Bauern beigebrachten und bezahlten Messwerte zugrunde. Es ist also keineswegs so, dass eine objektive staatliche oder kommunale Behörde selbstständige Messungen vornimmt bzw. eine selbstständige Bewertung derartiger Emissionen durchführt. Auch eine effiziente Kontrolle nach Errichtung eines derartigen Stallbaus ist natürlich ausgeschlossen – wie soll denn nachgemessen werden, ob es tatsächlich „nur“ an 10 % der Jahresstunden übel riecht oder ggf. länger? Besonders gespannt sein darf man, wer derartige Feststellungen etwa zur Nachtzeit, die ja prinzipiell ebenfalls zu den Jahresstunden zählen dürfte, ernsthaft treffen will. De facto kann und muss man davon ausgehen, dass eine einmal genehmigte Intensivtierhaltungsanlage ungehindert betrieben werden kann und dass auch eine Überschreitung der 10-%-Schwelle nicht zu Konsequenzen führen wird.

Dass hier – wie die „Feldkamp-Bauern“ vortragen – quasi automatisch Beschränkungen greifen, nachdem der Schwellenwert überschritten wurde, ist reine Fiktion. Derartige Beschränkungen gab es schon in der Vergangenheit nicht und es wird sie auch in der Zukunft niemals geben. Bezeichnend genug ist es im Übrigen, dass die Stadt Meppen selbst es war, die die nur „grenzwertig eingehaltenen“ Geruchsemissionen zum Ausgangspunkt ihrer Bauleitplanung genommen hat.

Völlig ausgeblendet wird bei dieser Argumentation schließlich, dass die bestehenden Gesundheitsgefahren von derartigen pseudo-wissenschaftlichen Messverfahren natürlich gar nicht erfasst werden können.

Angesichts dessen mögen die Bauern selbst vielleicht gut damit leben können, sich selbst und ihre Familien derartigen Belastungen auszusetzen. Bedrückend ist, dass sie meinen, dies auch anderen zumuten zu können.


Die Stadt Meppen beabsichtigt, mit der Aufstellung des Bebauungsplans „Südlicher Siedlungsrand Meppen“ die Situation für die angrenzenden Baugebiete deutlich zu verbessern und unsere Möglichkeiten durch Beschränkung der von unseren Betrieben ausgehenden Emissionen einzuschränken, vor allem in den Randbereichen deutlich um mindestens 20 %, teilweise auch deutlich mehr. Wir müssen dabei allerdings Tierhaltungen aufgeben (auf dem Hof Schütte 800 Schweinemastplätze, auf dem Hof Bölle 20.000 Hähnchenmastplätze), um in die Biolegehennenhaltung (geplant auf dem Hof Schütte 21.000 Hennen, auf dem Hof Bölle 15.000 Hennen) investieren zu können. Es handelt sich also lediglich um eine Umstrukturierung und Anpassung.
 

Stellungnahme der BI Meppen

 Verbesserungen durch die jetzt beabsichtigte Bauleitplanung der Stadt Meppen?

Tatsächlich wird es – entsprechend dem zuvor Ausgeführten – nicht zu Verbesserungen gegenüber den ursprünglichen Planungen insbesondere des Bauern Schütte kommen. Denn die hier in Rede stehenden Emissionswerte sind – wie dargelegt – nicht von unabhängigen Gutachtern ermittelt, sondern werden von den allein im Interesse der Bauern tätigen Sachverständigenbüros beschrieben. Eine nachträgliche Kontrolle ist faktisch ausgeschlossen. Die vermeintliche Umstrukturierung des Hofes Schütte hat jedenfalls gegenüber dem jetzigen status quo einen erheblichen Anstieg schon der Geruchsbelastungen zur Folge; die von der Legehennenhaltung ausgehenden Bioaerosole bleiben dabei erneut gänzlich unberücksichtigt. Abgesehen davon ist es unredlich, wenn die „Feldkamp-Bauern“ den Eindruck erwecken, man könne die „umstrukturierte“ Hofstelle Schütte einerseits und die ebenfalls „umstrukturierte“ Hofstelle Bölle anderseits losgelöst voneinander betrachten. Die Emissionen stehen in einer Wechselbeziehung und beeinflussen einander gegenseitig, was im Einzelfall zu einem weiteren erheblichen Anstieg der Emissionsbelastung führen kann. Bereits bei seiner Ausgangsplanung hatte der Bauer Schütte diese Wirkungen völlig außer Betracht gelassen – dies hat im Übrigen auch das von ihm beauftragte Ingenieurbüro getan.

Irrungen, Wirrungen: Die fehlende Aussagekraft der Angabe von Bestandsgrößen und die Unmöglichkeit ihrer Kontrolle

Recht erstaunlich sind die Verwirrungen um die Zahlen der Tiere, die die Bauern in ihren Beständen haben. Während die Stadt Meppen – offenbar auf Grundlage der Angaben des Bauern Schütte – bei ihren Berechnungen davon ausging, dass der Bauer Schütte 680 Mastschweine halte (vgl. dazu z.B. die Sitzungsvorlage 2010/0341, abrufbar unter www.meppen.de), gibt er nunmehr selbst an, über 800 Schweinemastplätze zu verfügen, also etwa 18 % mehr als bisher eingeräumt.

Und was man von den Zahlen bzgl. der in derartigen Betrieben gehaltenen Legehennen zu halten hat, hat der in jüngster Zeit durch die Staatsanwaltschaft Oldenburg aufgedeckte Skandal um die Täuschung des LAVES durch eine Vielzahl angeblicher Bio-Legehennen-Halter eindrucksvoll belegt. Die Osnabrücker Bauern Johannes und Daniel Kottmann haben in der Meppener Tagespost vom 26.2.2013 in schönster Offenheit selbst eingeräumt, was von solchen Bestandszahlen zu halten ist: Unter der Überschrift „Das ist doch eine Lachnummer“ rechtfertigen sie – z.B. unter Hinweis darauf, dass stets Tiere sterben – die Besetzung von Ställen mit einer weit höheren Anzahl an Tieren als der eigentlich erlaubten.

Auch hier liegt doch auf der Hand, dass entsprechende Manipulationen allenfalls anhand der Buchhaltung aufgedeckt werden könnten: Wer will allen Ernstes feststellen, ob auf einer Hofstelle nun 21.000, 23.000 oder 25.000 Hennen leben? Auch derartige Kontrollen wären nicht anderes als – eine Lachnummer!

Nimmt man nun noch in den Blick, dass Bauer Schütte offenbar schon bei den Zahlen seines Schweinebestandes Schwankungsbreiten von mehr als 15 % akzeptiert, kann man nur hoffen, dass ihm Derartiges nicht auch bei der Zahl seiner „Bio-Legehennen“ passiert.

Durch die Angaben der maximalen Besatzzahlen wird also eine Scheinsicherheit suggeriert, die so niemand gewährleisten kann. Um noch einmal die Meppener Tagespost vom 26.2.2013 zu zitieren: „Eier-Ermittlungen: Weder Behörden noch private Prüfer hegten Verdacht.“


Die Schreckgespenster, die mit der Postwurfsendung vom 14.01.2013 verbreitet wurden und die auf der Versammlung vom 22.01.2013 vertieft werden sollen, entbehren jeder Grundlage. Die Genehmigungsbehörden werden Stallanlagen, die konkrete Gesundheitsgefährdungen für angrenzende Wohngebiete mit sich bringen, nicht genehmigen. Die Verwaltungsgerichte sind dazu da, ggf. die Genehmigungen zu überprüfen. Auch wir möchten mit unseren Familien auf unseren Höfen keinen Gesundheitsgefährdungen ausgesetzt sein.
 

Stellungnahme der BI Meppen

Falsche Statistiken – reine Panikmache?

Die „Feldkamp-Bauern“ meinen – offenbar in Übereinstimmung mit den Ausführungen des Herrn Krämer von der Landwirtschaftkammer Niedersachsen –, die BI Meppen verbreite „Schreckgespenster“, die jeder Grundlage entbehren. Hierzu wird man zunächst anmerken dürfen, dass dies eine bloße Behauptung darstellt, die durch nichts weiter substantiiert ist. Während die BI Meppen sowohl die in ihrem Informationsblatt aus dem Januar 2013, als auch die auf der Bürgerversammlung am 22. Januar 2013 dargestellten Gesundheitsgefahren durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegen kann, die im Wesentlichen im Auftrag von Agrar- und Verbraucherministerien deutscher Bundesländer erstellt und von dem Referenten Dr. Fein zusammengefasst worden sind, verneinen die Bauern und ihre Lobbyisten derartigen Gefahren schlicht und ergreifend. Eine genauere Erläuterung, warum das alles nicht zutreffen sollte, bleiben sie schuldig. Es wird mit Schlagworten operiert, ohne die Sorgen der Anwohner um ihre Familien auch nur ansatzweise zu würdigen.

Scheinsicherheit durch behördliche Genehmigungsverfahren

Insofern ist es ebenfalls eine durch nichts belegte These, dass gesundheitsgefährdende Stallanlagen nicht genehmigt werden. Es ist – wie oben dargelegt – schon im Zusammenhang mit dem jüngsten „Bioeier-Skandal“ deutlich geworden, dass die Verwaltungsbehörden zahlreiche Manipulationen und Gefahren tatsächlich gar nicht erkennen können. Für regelmäßige und eingehende Kontrollen fehlt entsprechend geschultes Personal in ausreichender Zahl. Bei der Genehmigung konkreter Vorhaben werden – wie ebenfalls bereits angesprochen – die von den Bauern selbst vorgelegten und bezahlten Gutachten zugrunde gelegt, die weder überprüft, noch sonst von den Verwaltungsbehörden hinterfragt werden. Auch in verwaltungsgerichtlichen Verfahren werden in aller Regel keine neuen, durch das Gericht in auftrag gegebene Gutachten eingeholt; vielmehr beurteilen die Verwaltungsgerichte die von den Anlagen ausgehenden Belästigungen meist allein auf Grundlage der schon im Verwaltungsverfahren vorgelegten Gutachten. Eine objektive Kontrolle solcher Gefährdungen findet mithin kaum statt.

Das gilt insbesondere für Gefahren durch Bioaerosole, die erst allmählich überhaupt von der Rechtsprechung berücksichtigt werden. Auch insofern ist es ein Irrglaube davon auszugehen, alles werde schon seine Richtigkeit haben, wenn denn eine Genehmigung erteilt wird.

Und schließlich: Wäre die These der Bauern richtig, dann könnte es ja die in zahlreichen Studien auch der Ministerien der Bundesländer festgestellten Gesundheitsgefahren gar nicht geben. Es entspricht allgemeiner Lebenserfahrung, dass sich im Laufe der Zeit die Einschätzung von Risikopotenzialen und Gefahren ändert: Auch DDT und Contergan waren einmal in Deutschland in ordnungsgemäßen Verfahren erlaubt worden – die fatalen Folgen stellten sich erst später heraus.

Sicherlich ist es daher gut und richtig, dass öffentliche Behörden die Risikopotenziale der hier in Rede stehenden Anlagen prüfen; der Sache damit ihr Bewenden zu geben, demonstrierte indes eine geradezu beängstigende Blauäugigkeit.


Wir fühlen uns allerdings unseren Familien gegenüber verpflichtet, unsere Betriebe auch in Zukunft so weiterzuentwickeln, dass sie als Existenzgrundlage für die nächste Generation dienen können.
 

Stellungnahme der BI Meppen

Absicherung kommender Generationen – nur für den Nachwuchs reicher Bauern?

Angesichts der durch die Veräußerung der Grundstücke erwirtschafteten Millionenbeträge ist es kaum nachvollziehbar, dass die Bauern tatsächlich meinen, mit einer angeblichen Sicherung der Existenzgrundlage ihrer Familien argumentieren zu können. Sie haben – was natürlich legitim ist – ein Vermögen erwirtschaftet, das zigfach größer ist als das der Durchschnittsbevölkerung und sicherlich auch als das der allermeisten Anwohner.

Das wirtschaftliche Wohlergehen vieler der den derzeitigen Bauern nachfolgenden Generationen ist daher ganz sicher auch ohne deren Investment ausgerechnet in eine schädliche Massentierhaltungsanlage auf das Beste abgesichert. Die Existenz der Familien Schütte, Bölle und Kirschner hängt mit Sicherheit nicht an „Biolegehennenanlagen“ oder Biogasanlagen.

In gleicher Weise wie die betroffenen Bauern müssen aber auch die Anwohner den ihnen nachfolgenden Generationen die Zukunft sichern, ohne auf einen derartigen Kapitalstock zurückgreifen zu können. Es ist daher nicht einzusehen, dass die weitere Vermehrung des Kapitals der Bauern auf Kosten der Anwohner geht und nicht nur den Wert ihrer Grundstücke schmälert, sondern zugleich noch deren Gesundheit bedroht.


Überzeugen Sie sich selbst und schauen Sie sich die Legehennenanlage zwischen Helte und Bückelte, auf der 50.000 Tiere in Freilandhaltung untergebracht sind, an, oder den Betrieb Brümmer am Schlagbrückener Weg an, die den geplanten Anlagen mit einer gleichartigen Entmistungsanlage entspricht. Bilden Sie sich selbst ein Urteil. Herr Brümmer wird Sie nach Absprache auch gerne durch seinen Betrieb führen. 

Stellungnahme der BI Meppen

 Der entscheidende Unterschied gegenüber anderen Legehennenanlagen

Die von den „Feldkamp-Bauern“ hier erwähnten Musterbetriebe sind – anders als insbesondere die von der Familie Schütte geplante Anlage – gerade nicht in unmittelbarer Nähe einer dichten Wohnbebauung gelegen. Sie befinden sich tatsächlich in einem Umfeld, das mit Fug und Recht als „Außenbereich“ bezeichnet werden kann, und wo – wenn man derartige Betriebe trotz erheblicher tierschutzrechtlicher Bedenken für vertretbar hält – sie sicherlich wesentlich besser untergebracht sind als direkt an der Grenze eines „Siedlungsschwerpunktes“ der Stadt Meppen.